Klaus Amann, Jeder Schritt zählt
Ingrid Kloser liest ‚Jeder Schritt zählt‘ von Klaus A. Amann
Der Autor Klaus A. Amann versammelt unter dem Titel „Jeder Schritt zählt“ zehn Kurzgeschichten und eine Erzählung, zwei der Kurzgeschichten sind auch im spanischen Original abgedruckt. Das Cover zeigt eine Frau, die vornübergebeugt auf einer Bank sitzt. Die Betrachterin fragt sich: Ist sie gerade von einer Joggingrunde zurückgekehrt und gönnt sich eine Verschnaufpause?
Doch in den Geschichten von Klaus A. Amann geht es nicht nur um Schritte, die während einer Joggingrunde gemacht und gezählt werden. Von einem Fitbit z.B., denn Kiki, die Protagonistin der Erzählung JEDER SCHRITT ZÄHLT hat ein solches Gerät bei einer Leserbriefaktion gewonnen. Kiki – die übrigens keine junge Frau ist, wie auf der Rückseite des Buches geschrieben steht, sondern deren Söhne bereits aus dem Haus sind – geht von nun an mit dem Fitbit im Clip am Gürtel zu Fuß in den Supermarkt, abends ins Kino, und sie erweitert ihre Joggingrunden. Nach und nach steigert sie ihre Schritte und ihre Sucht, so viele Schritte wie möglich zu machen. Und mit jedem Schritt entfernt sie sich ein Stück weiter von ihrem Mann, der nichts fürs Schrittzählen übrighat. Kiki geht und geht, rennt davon, lässt es laufen.
Die Geschichte STRECK DIE ZUNGE RAUS erzählt von den oft mühsamen Schritten eines Teenagers ins Erwachsenenalter. Dann nämlich, wenn Lola, die sich ohne die Erlaubnis ihrer Eltern ein Piercing stechen lässt, in arge Not gerät. Auch die Geschichte SCHÖN UND GUT lässt uns an den Schritten von schon fast erwachsenen Schülern ins Leben teilhaben, wenn diese von überbordender Kreativität mitgerissen werden und beinahe im Gerichtssaal landen. Oder auch Luna in der Geschichte LUNA AM FREITAG, die auf ihrem Weg hinaus aus der Schule und hinein ins Berufsleben schmerzliche Erfahrungen macht.
Klaus A. Amanns Geschichten lassen ihre Leser hierhin und dahin blicken und regen zum Nachdenken an. Manches ist skurril und lädt zum Schmunzeln ein, so die Geschichte NOTBÜRGER – ODER WIE LEGENDEN ENTSTEHEN. In dieser Geschichte tritt die achtzehnjährige Burgi gegen Ende des 13. Jahrhunderts als Magd in den Dienst der Grafen zu Rattenburg in Rottenburg und erfindet aus der Not heraus den Burger.
Aber da sind auch Geschichten, die einem das Lächeln erstarren lassen. Wenn z.B. in ASEL – MILCH UND HONIG ein Neujahrsbaby friedlich schlummernd und gerade angekommen in dieser Welt Hasspostings erhält. Oder wenn Ella in ELLA AUSSER SICH – WAS FÜR … …! am Morgen einer durchzechten Nacht ahnungslos die Fotos betrachtet, die in eben dieser Nacht von ihr und ihren vermeintlichen Freunden aufgenommen wurden …
Klaus A. Amann ist ein vielseitiger Autor, der gerne reist, liest, musiziert und läuft. Amann war als Student in Amerika, war Lehrer, ist Vater zweier erwachsener Töchter. Sein Schreiben ist biografisch, dabei lässt er sich von Erlebtem und Gelesenem inspirieren.
Wem die Muße für ein längeres Leseabenteuer fehlt, dem kann ich die Sammlung kurzer Geschichten von Klaus A. Amann ans Herz legen. Vor allem aber auch jenen, die sich gerne verführen lassen, gemeinsam mit dem Autor einmal dahin und dorthin zu schauen, innezuhalten und nachzudenken. Das Buch verspricht dabei ein besonderes Vergnügen!
Klaus A. Amann
Jeder Schritt zählt
Eine Erzählung und zehn Kurzgeschichten, Verlag Bibliothek der Provinz 2025
ISBN 978-3-99028-303-6
Gebundene Ausgabe, € 18,–
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