Irmgard Kramer, Fanny, Das Mädchen, das Glück verteilt
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Irmgard Kramer, Fanny, Das Mädchen, das Glück verteilt

Irmgard Kramer, Fanny, Das Mädchen, das Glück verteilt

Natascha Soursos liest „Fanny, Das Mädchen, das Glück verteilt“ von Irmgard Kramer

Fanny lebt mit ihren Eltern, ihrer Großmutter und einigen Hühnern in der Sonnwendkolonie. Da sie gleich im ersten Haus wohnen und die Kolonie sehr verwinkelt und unübersichtlich ist, wirft der Postbote die „unzustellbaren“ Pakete einfach bei der Familie in den Garten. Eines Tages findet Fanny ein besonders schönes, lila Paket mit Glitzersternen und macht es sich zur Aufgabe, den Besitzer oder die Besitzerin ausfindig zu machen. Das ist schwieriger als gedacht, denn die Anschrift ist völlig unleserlich. So wandert Fanny von einer Haustür zur nächsten, durchquert verwinkelte Höfe und läuft Stockwerke hoch und runter. Was sie dabei beobachtet und erlebt sowie mit wem sie ins Gespräch kommt, verändert das Leben von Fanny, ihrer Familie und der gesamten Sonnwendkolonie völlig.

Das Buch der Vorarlberger Autorin Irmgard Kramer war von der ersten bis zur letzten Seite spannend. Es passiert unglaublich viel, ohne dass es überladen wirkt. Die einzelnen Handlungsstränge scheinen zu Beginn willkürlich, fließen am Ende aber mühelos zu einem großen Ganzen zusammen. Man taucht ein in die Welt der quirligen, einnehmenden Fanny, möchte sofort ihre Freundin sein, fühlt mit ihr mit – als sie sich beispielsweise nicht traut, mit dem Nachbarsjungen Billy, der ihr gefällt, zu sprechen – und sieht, wie sie langsam, mit jedem Kontakt, an Selbstbewusstsein gewinnt.

Aber das Buch dreht sich um mehr als nur um Fanny – es lebt von all seinen Figuren. Auch dank der wunderschönen Illustrationen können sich die Leser:innen die Figuren sehr gut vorstellen. Im Laufe der Geschichte werden die unterschiedlichsten Menschen porträtiert. Was sie gemeinsam haben: Zu Beginn lebt jeder und jede für sich hin, man ist nur lose miteinander bekannt und alle haben ihre eigenen Probleme. Da ist etwa Fannys chaotische Kernfamilie mit einer Mama, die ständig am Telefon hängt, einem Papa, der an einer Filmidee tüftelt, und der Oma, die – vom Opa verlassen – ein Studium beginnt und sich an Latein die Zähne ausbeißt. Kein Wunder, dass da manchmal die Zeit fehlt, sich um Fanny zu kümmern. Und dann sind da die vielen weiteren Bewohner:innen wie ein Sandler, der in der ehemaligen Post Unterschlupf findet, der ehemalige Postbote Wendelin, der um seine verstorbene Frau und seine Arbeit trauert, oder die Hellseherin Frau Horx, die traurig und alleine ihren Geburtstag feiert. Ihnen allen begegnet die charismatische Fanny, die sie aus ihrem Trott holt, motiviert und verändert.

In einer Zeit der Vereinsamung und Entfremdung feiert das Buch die Gemeinschaft und das Miteinander. Werte wie Freundschaft, Familie und Gerechtigkeit spielen eine große Rolle im Roman. Aber auch schwere Themen wie Korruption, Armut, Care-Arbeit und Einsamkeit werden hier leicht verpackt. Es ist eine wichtige Sozialkritik, die hier einfließt, und es ist gut, dass Irmgard Kramer nicht davor zurückschreckt, solche Themen auch in Kinderbüchern zu thematisieren. Am Schluss bleibt ein rundum fröhliches, herzerwärmendes Buch, das nicht nur Kindern, sondern auch Erwachsenen großen Spaß beim Lesen macht.

Irmgard Kramer 
Fanny, das Mädchen, das Glück verteilt
Ilustratorin: Florentine Prechtel
Arena Verlag, 2026
200 Seiten
ab 8 Jahren
ISBN-13: 978-3-401-60813-6

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