Ingrid Kloser, Regentropfen fallen langsam
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Ingrid Kloser, Regentropfen fallen langsam

Ingrid Kloser, Regentropfen fallen langsam

Tina Strohmaier liest „Regentropfen fallen langsam“ von Ingrid Kloser.

Im Zwischenraum „Ma“

Das Buchcover zeigt einen blauen Vogel, der einen weißen Kragen hat. Er sitzt auf dem Rand einer japanischen Teetasse mit blauem Aufdruck. Der Vogel neigt sich nach vorn, er hält den Stängel einer Kirsche im Schnabel.

Ingrid Kloser beschenkt uns erneut mit einem Roman, der angenehm und fließend zu lesen ist. Die Handlung fällt uns zu wie Regentropfen: weich und gelassen. Eine junge, talentierte Frau, die ihrem Bruder vorgibt, in Wien an der Universität für Musik und darstellende Kunst Gesang studieren zu wollen. Aber Nina zieht nach Wien, um Privatstunden zu nehmen, damit sich ihre Stimmprobleme lösen. Von einer Pension zieht sie in eine Wohnung und lernt dort ihren Mitbewohner und später ihre Mitbewohnerin kennen. Ihr Problem, nicht mehr singen zu können, ist schnell beseitigt. Und wie das Leben so singt, kommt ihr beruflicher Erfolg anders als erwartet. Das Problem hinter dem Problem tritt zutage: Familiäres ist bei Nina unverarbeitet geblieben.

Neben der sprachlichen Leichtigkeit besticht das Buch durch das vermittelte Wissen über Lieder, Arien, Opern oder Komponisten – noch dazu in verschiedenen Sprachen. Wir erfahren über Komponisten von Beethoven bis Strauss, und lesen Zitate aus Carmen oder Madama Butterfly. Einblicke in das Singen sowie das Ablehnen von traditionellen Gesangstechniken bilden die süßen Kirschen des Romans.

Ähnlich wie bei Klosers „Aus Stille geformt“ werden Wörter und Begriffe aus dem Japanischen erläutert. Das Kapitel mit „Yuko“ ist deshalb interessant, weil es Einblicke in die japanischen Denkweisen und die Kultur ermöglicht. Schade finde ich, dass Ninas Bruder kein Kapitel zugesprochen bekommt, zumal die familiäre Situation mit zunehmender Seitenanzahl aufbricht. Die Beziehung zu „Yuko“ lässt Fragen zum Nachdenken offen.

Das Buch bietet einiges, aber bewusst auch nicht alles: Es ist wie ein schwebender Zwischenraum. Insbesondere empfohlen für Interessierte an der japanischen Kultur und der (Wiener) Gesangswelt.

Ingrid Kloser
Regentropfen fallen langsam
Piper, München
188 Seiten
ISBN 978-3-492-07375-2

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