Martin L. Blum, Ein Schritt zu weit
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Martin L. Blum, Ein Schritt zu weit

Martin L. Blum, Ein Schritt zu weit

Christina Strohmaier liest „Ein Schritt zu weit“ von Martin L. Blum

Zwischen Sexualität und Gewalt: In der Schule

Tobias wird in das Sportgymnasium aufgenommen. Er ist begeisterter und talentierter Handballspieler, der schulisch mehr oder weniger zu kämpfen hat. Der Kampf spitzt sich zu, als Luca neu in die Klasse kommt, Tobias durch ihn seine sexuelle Orientierung erkennt und seine Lust überhandnimmt. Ein Kuss aus dem Nichts ändert das Verhalten der ganzen Klasse; die zunächst versteckte Homophobie gelangt an die Oberfläche und nimmt eine bedrohliche Dynamik an. Das Leiden von Tobias beginnt.

Martin L. Blum zeigt in seinem Debütroman die Erforschung und Auseinandersetzen mit Sexualität und Lust auf, sowohl eines Teenagers als auch einer Gruppe von Jugendlichen. Die Geschichte kippt zunehmend ins Dramatische. Manchen Leser:innen verlangt die Lektüre immer wieder einiges ab (Reißzwecke, Chili Öl, Genickwatsche), sodass man sich am liebsten durch Überspringen dieser Szenen aus der Geschichte retten will, doch man schafft es nicht. Das Buch ist ein Pageturner. Das Ende ist unerwartet, schließt aber den Bogen zum Anfang.

Der Coming-of-Age-Roman ist männlich dominiert (männliche Perspektive im Fokus). Die Sprache ist sowohl jugendsprachlich-derb (z. B. bei den Dialogen: „Arschlöcher“, „Busenfreundin“, „safe“, „Bro“) als auch sachlich distanziert (Sprache des Erzählers: „Annehmlichkeiten“, „Repetenten“, „kursieren“).

Der Rezensentin wäre lieber, es müsste keine Bücher mehr geben, die Homophobie thematisieren. Die Gesellschaft – besonders die nächste Generation – sollte im Denken weiter sein. Als Schullektüre sollte das Buch unbedingt mit Fachpersonen besprochen werden. Ab welcher Schulstufe es verwendet werden soll, müssen die jeweiligen Lehrer:innen entscheiden. Zu meiner Schulzeit vor beinahe 20 Jahren wären 14-Jährige mit dem Thema überfordert gewesen.
Für mich ist das Buch außerdem eine Geschichte persönlicher Resilienz.

Es empfiehlt sich für Lehrpersonen, die durch Provokation aufklären wollen. Das Buch beschreibt Mobbing auf unterschiedliche Weise und ist auch für Erwachsene und Eltern empfehlenswert.

Martin L. Blum
Ein Schritt zu weit
Verlag wortweit, Wien. 2026.
311 Seiten
ISBN 978-3-903326-61-3

 

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